Giersch-Eschenwald

Aegopodio-Fraxinetum excelsae

Die Verbreitung dieses natürlichen Waldökosystems ist an Niederungen gebunden. 
Die Vegetationsstruktur ist gekennzeichnet durch eine hochwüchsige Baumschicht aus vorherrschender Esche (Fraxinus excelsior) und beigemischter Schwarz-Erle (Alnus glutinosa), strauchigem Unterwuchs mit Schwarzem Holunder (Sambucus nigra), Pfaffenhütchen (Evonymus europaeus) und Baumarten-Jungpflanzen sowie durch eine vitale Krautschicht, in der am Anfang der Vegetationsperiode Scharbockskraut (Ranunculus ficaria), Weiße und Gelbe Anemone (Anemone nemorosa, A. ranunculoides) vorherrschen, danach bestimmen Massenentwicklungen von Kräutern, wie Giersch (Aegopodium podagraria), Großes Springkraut (Impatiens noli-tangere), Große Brennessel (Urtica dioica), Klebkraut (Galium aparine), Wald-Ziest (Stachys sylvatica) oder Vorkommen von Nelkenwurz (Geum rivale, G. urbanum), Hexenkraut (Circea lutetiana), Kohl-Distel (Cirsium oleraceum), Flattergras (Milium effusum), Wald-Zwenke (Brachypodium sylvaticum), Riesen-Schwingel (Festuca gigantea), Rasenschmiele (Deschampsia cespitosa) das Bild. Die mittleren Pflanzenartenzahlen auf 400m² Waldfläche liegen um 30.

Die bestimmenden Standortmerkmale sind lehmig-mergelige feuchtnasse An- moorböden hoher Basensättigung (60 bis 100%) mit Humuszustand Feuchtmull (C/N-Verhältnis um 10) als Zeiger optimaler Streuzersetzung, hoher Stoffumsätze und bestem Nährstoffangebot. Auf diesen wuchskräftigen Standorten ist die Nettoprimärproduktion entsprechend hoch. Bei bester Bonität von Esche und Schwarz-Erle werden, bezogen auf einen Zeitraum von 50 Jahren durchschnittlich 6,2 t Holzmasse, 1,6 t Laubmasse und 1,2 t Trockensubstanz Bodenvegetation (insgesamt 9,0 t TS oberirdische Nettoprimärproduktion) pro Hektar und Jahr erzeugt. Forstlich ist die Erziehung hochwertigen Furnierholzes möglich, Gefährdungen liegen bei sonst relativ hoher Bestandesstabilität vor allem in Grundwasserabsenkungen. Die wenigen noch erhaltenen Bestände sind für den örtlichen Landschaftswasserhaushalt und vor allem für den Biotop- und Artenschutz von großer Bedeutung. Die Erhaltung der Bestände unter Wahrung natürlicher Verjüngungs- und Wachstumsabläufe und Strukturen ist geboten.

Für den Naturschutz und den Landschaftswasserhaushalt haben diese interes- santen, in ihrem Erscheinungsbild meist wildwüchsigen Waldbestände eine große Bedeutung, insbesondere für spezielle Aufgaben des Floren- und Faunenschutzes.

Eine forstliche Bewirtschaftung kann hier gute Holzerträge erwirtschaften. Doch sollten dabei Kontinuität des Baumbestandes und Schutz des Bodenas (hoher Kohlenstoff-Vorrat) stets gewährleistet sein.

Vorkommen: 
 • NSG Gellmersdorfer Forst, Talgründe 
 • NSG Zichower Wald, Nordostteil Talgrund südlich Karlswerk bei Niederfinow