Altglietzen

 

Bis zur Trockenlegung des Oderbruchs durch Friedrich den Großen lebten die Bewohner vom Fischfang, danach vorwiegend von der Landwirtschaft. Nach der Trockenlegung des Oderbruchs wurde wie auch anderenorts ein neues Dorf aufgebaut mit dem Namen Neuglietzen. Das alte Dorf Glietzen erhielt danach den Namen Altglietzen.


Rundofen der Ziegelei GOLEM / W. Ebert
Der Bau der Ziegelei geht auf das Jahr 1871 zurück. Sie gehörte bis 1920 Wilhelm Fritze. 1878 erhielt sie einen Hoffmann`schen Ringofen, welcher 1928 erweitert und neu gestaltet wurde. Nach verheerenden Schäden im Zweiten Weltkrieg erfolgte der Neuaufbau durch den Eigentümer, die Familie Hietzig. 1948 ging die Ziegelei in Volkseigentum über. Bis 1986 wurden noch Ziegel produziert, die zum Teil exportiert wurden. Bei nachlassender Nachfrage und nachlassendem Tonvorkommen stellte sich der Betrieb auf keramische Erzeugnisse sowie auf die Herstellung von Ziegeln zur Restaurierung historischer Gebäude um.

1993 kaufte die Fa. GOLEM Formziegel GmbH den Betrieb,modernisierte die Anlage und stellt heute vorwiegend Restaurationsziegel für Kunstdenkmäler und Kirchen her.

War Neuenhagen bis ins 19. Jahrhundert das Herrschaftszentrum der "Insel", war (Alt-) Glietzen lange das geistliche. Hier befand sich der zuerst einzige Kirchenstandort für die Dörfer um Neuenhagen und hier hatte über Jahrhunderte der Pfarrer seinen Sitz. Die ersten Nachrichten über die 1853 abgerissene erste Kirche stammen von 1659. Sie soll von Grund auf gemauert gewesen sein. Der heutige Kirchenbau wurde in den Jahren 1853/55 errichtet. Er ist aus gelben Klinkern auf einem hohen Feldsteinsockel ausgeführt. Vieles deutet darauf hin, dass der Sakralbau gleich dem in Oderberg auf Schlüter zurück zu führen ist. Der hohe Granitsockel könnte auf eine Feldstein-Vorgängerkirche hindeuten, sie wäre die einzige Feldsteinkirche auf der Oderinsel gewesen. Im 2 Weltkrieg büßte die Kirche ihren 10 m in die Höhe ragenden polygonalen spitzbehelmten Turmaufsatz ein. Der Turm ist heute nur mit einem Pyramidendach abgedeckt.

Bis in die Mitte des vorigen Jahrhunderts war das Dorf bei Segelfliegern gut bekannt.

Am Ortseingang, von Freienwalde kommend, wurde am 23.1.1841 zur Erinnerung an die Rast des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm IV. der sogenannte "Frühstückstein" errichtet. Der Stein wurde jedoch mehrfach umgesetzt.

Der Ort mit seinen über 500 Einwohnern ist bekannt geworden durch seinen 7 km langen Ziegelei-Rundweg.









Frühstückstein vonAltglietze / H. Domnick

Literatur:
Pfeil, U.: Die vier Kirchen der "Insel" Neuenhagen. Weick-Kunstführer Nr. 32, 1994 Faltblätter mit Dorfbeschreibung und Dorflehrpfad von Altglietzen und Broschüre "Geschichte der Ziegelei". Herausgegeben vom Verein zur Förderung von Beschäftigung und Qualifizierung Bad Freienwalde e. V.

© Märkische Eiszeitstraße, H. Domnick, 2004