Schloss Zichow

Vermutlich in der Mitte des 13. Jahrhunderts wurde in Zichow im Zuge der deutschen Kolonisation eine strategisch bedeutsame Burg angelegt. Sie fügte sich einerseits in das Befestigungssystem längs des Randowbruches von Löcknitz bis Schwedt ein und konnte andererseits die Strasse Prenzlau - Passow - Schwedt absperren. Von der Burganlage ist heute nur noch der Bergfried (um 1250) erhalten - ein mittelalterlicher Rundturm aus Backstein auf einem Feldsteinfundament errichtet, mit hochgelegenem Einstieg. Er steht direkt neben dem weit später erbauten Schloss und ist dessen Wahrzeichen. Leider wurden Obergeschoss und Helmabschluss des Turmes nach 1945 abgetragen.


Zichow - Bergfried der alten
Burg / W. Ebert

Die "v e s t e Zeichow" wurde 1354 erstmals schriftlich erwähnt, als sie mit Teilen der Uckermark an die Pommern kam. Seit 1447 war die Uckermark endgültig wieder brandenburgisch. Mit dem Teilungsvertrag erhielt Friedrich der Ältere die Uckermark. Er verpfändete 1449 Zichow, genannt das "Sloß", an Hans von Beerfelde als Amtmann mit der Verpflichtung, es mit entsprechender Mannschaft zu besetzen und baulich zu erhalten. Um1456 kommt dann das Anwesen an die Familie von Arnim, deren Besitz sich im Verlaufe der Zeit immer weiter ausdehnte. Innerhalb der verschiedenen Linien derer von Arnim wechselten die Eigentümer mehrfach. 1608 wurde das Gut geteilt: das Schlossgut besaßen die von Arnim zu Landin und das zweite Gut Claus von Arnims Erben. Danach kam Zichow an die Linie Arnim-Boitzenburg. Als Friedrich Abraham Wilhelm von Arnim 1812 verstarb, wurden die Güter Zichow und Boitzenburg durch das Los unter die beiden Söhne verteilt. 1864 wurde von Arnim-Blumberg neuer Inhaber. Der Landbesitz hatte sich bis 1864 in der Weise entwickelt, dass das Areal der Bauerngüter nur noch 1795 Morgen betrug, jedoch das des Gutes der Arnims auf 3473 Morgen angewachsen war. Letzter Besitzer von Schloss und Gut Zichow war bis 1945 Bernd Graf von Arnim.


Schloss Zichow vor der Restaurierung
Foto W. Ebert

Das Schloss wurde von den Arnims 1745 auf L-förmigem Grundriss erbaut, wobei vermutlich die Fundamente der mittelalterlichen Burg einbezogen wurden. Es ist ein zweigeschossiger Putzbau mit rechtwinklig zueinander stehenden Flügeln und Mansardwalmdächern. Die Hauptfront ist mit einem dreiachsigen, durch Kolossalpilaster gegliederten Mittelrisalit ausgestattet. In seinem Dreieckgiebel ist die Wappenkartusche der Familie von Arnim zu sehen.Es kann angenommen werden, dass etwa hundert Jahre später ein Umbau im Inneren des Schlosses nach Entwürfen des Berliner Baumeisters Eduard Knoblauch (1801 - 1865) erfolgte. Eine solche Parallele lässt die Anlage der Innenräume zu, die dem von Knoblauch gestalteten Obergeschoss des Schlosses in Kröchlendorff (ebenfalls im Besitz der Arnims), gleicht. Hingegen zeigt die Außenarchitektur vermutlich im wesentlichen noch die Ausführung des 18. Jahrhunderts, wobei die Querflügel um 1860 nochmals verändert wurden.

Nach 1945 diente das Gebäude als Getreidespeicher und als Schule. In jüngster Zeit wurde mit Restaurierungsarbeiten begonnen.

Quellen:
• Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler / Georg Dehio. Brandenburg
   Deutscher Kunstverlag. München/Berlin 2000
• Die Kunstdenkmäler des Kreises Angermünde.
   Druck und Kommissionsverlag der Vossischen Buchhandlung. Berlin 1934
• Knoblauch, Paul: Kröchlendorff. Berlin 1996 (Reihe "Schlösser und Gärten der Mark")  
 
Märkische Eiszeitstraße, M. Klebert, 2004