Schloss Hohenfinow

Das Schloss wurde nach 1945 abgetragen. Es findet dennoch Erwähnung, weil hier zwei historisch bedeutsame Persönlichkeiten lebten: der experimentierfreudige Freiherr Matthäus von Vernezobre und der preußische Ministerpräsident und spätere deutsche Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg.

Matthäus von Vernezobre (1720 - 1782) war ein französischer Kaufmann, der ein riesiges Vermögen in Gold nach Berlin verlagert hatte. Dafür wurde er von König Friedrich Wilhelm I. in den Adelsstand versetzt. Obwohl der Erwerb von Gutsbesitz durch Bürgerliche verpönt war, um die Privilegien des preußischen Landadels zu gewährleisten, kaufte er die Güter in Hohenfinow, Tornow, Sommerfelde und Polßen.


Schloss Hohenfinow

1739 lässt er die ersten Kartoffeln in der Mark Brandenburg anbauen. Gleichzeitig wirkte er als Unternehmer und gehört zu den Pionieren der Industrialisierung in Preußen. Trotz königlichem Verbot von 1718 , auf dem platten Land Gewerbe anzusiedeln, nutzte er den damals städtischen Charakter von Hohenfinow für seine Vorhaben. In der Nähe eines schiffbaren Arms der Finow errichtete er 1754 unterhalb des Burgbergs die Barchent- und Leinenmanufaktur Amalienhof und gründete eine Feilenmanufaktur in Tornow. 1756/57 baute er zur Gewinnung von Färberröte eine Krappmühle ( ab 1759 Carlswerk genannt), wurde 1758 Mitinhaber einer Drahtmanufaktur bei Niederfinow und legte 1763 in Carlswerk eine Nagelschmiede an. Nach einem Brand in Carlswerk ließ er in Sophienhaus eine neue Nagelschmiede bauen.Neben dem großen Industriezentrum Finowtal, der "Wiege der brandenburgisch-preußischen Industrie", entstand somit ein kleineres Industriegebiet im Oberbarnim - dank der Initiative des Matthäus von Vernezobre.

Auf dem Friedhof in Hohenfinow erinnert ein Grabstein an den einflussreichen Politiker Theobald von Bethmann Hollweg (1856 - 1921) - eine der zwielichtigsten Persönlichkeiten deutscher Geschichte.
Er wurde auf dem Familiengut in Hohenfinow geboren und im Geiste christlicher Ethik, kaisertreu und als "Herr" erzogen. Die Familie empfing hohe Gäste, so 1877 den jagdbesessenen künftigen deutschen Kaiser Friedrich Wilhelm II., der hier - so berichtet ein Gedenkstein - seinen ersten Rehbock schoss.
Nach dem Jurastudium folgte Bethmann Hollweg 1886 zunächst seinem Vater als Landrat des Kreises Oberbarnim. Von nun an begann seine mustergültige Adelskarriere als konservativer Staatsmann: 1899 wird er Oberpräsident der Provinz Brandenburg, 1905 preußischer Innenminister, 1907 Staatssekretär im Reichsamt des Inneren, Stellvertreter des Reichskanzlers und Vizepräsident des preußischen Staatsministeriums und 1909, nach Beendigung der "Ära Bülow", deutscher Reichskanzler und preußischer Ministerpräsident.In seiner Politik stützte er sich auf den konservativ-klerikalen Block. Er bemühte sich um die Integration der erstarkenden Arbeiterbewegung in das Staatsgefüge, indem er einerseits opportunistische Führer zu gewinnen suchte, andererseits Polizeiterror veranlasste. In die Regionalgeschichte ist er durch die Beschimpfung der Arbeiter im Industriegebiet des Finowtales eingegangen, indem er vom "verdammten roten Finowtal" sprach. Unter den Arbeitern galt jedoch das "Rote Finowtal" bald als Ehrenname, der sich bis heute hält.In seiner Position als Reichskanzler war Bethmann Hollweg objektiv in die innen- und außenpolitische Vorbereitung des 1. Weltkrieges eingebunden. Das widersprach eigentlichseinen christlich-ethischen Grundsätzen und er bekundete späterhin privat seine Mitschuld am Krieg. Seine Bedenken gegen den uneingeschränkten U-Boot-Krieg blieben jedoch unausgesprochen. Seine Ablehnung der Annexionsziele von Hindenburg und Ludendorff blieb gedämpft. Erst die Bestrebungen Ludendorffs nach einer Militärdiktatur war er nicht mehr gewillt mitzutragen, was am 14. Juli 1917 seinen Sturz auf Betreiben der obersten Heeresleitung bewirkte.
Noch vor seinem Rücktritt veranlasste er zur Rettung des Kaiserreiches die "Osterbotschaft" Kaiser Wilhelm II. vom 7. April 1917, mit der dieser der wachsenden Antikriegsstimmung der Bevölkerung durch leere Versprechungen von einer Demokratisierung nach dem Kriege zu begegnen suchte.
Bis zu seinem Tode 1921 lebte Bethmann Hollweg auf seinem Schloss in Hohenfinow.Hier war er bekannt als "Philosoph von Hohenfinow", der als Gutsherr und ehrwürdiges Familienoberhaupt abgesondert in der Patronatsloge der Kirche dem Gottesdienst beiwohnte.In Hohenfinow schrieb er seine zweibändigen "Betrachtungen zum Weltkriege", dessen diplomatische Vorspiele er von seinem Schlosse aus gesteuert hatte.

Quellen:
• Seifert, C./Bodenschatz,H./Lorenz,W.: Das Finowtal im Barnim,
   TRANSIT Buchverlag, Berlin 2000 (2. Auflage)
• Deutsche Geschichte von den Anfängen bis 1945.
   Bibliographisches Institut, Leipzig 1965
• Müller, Helmut M.: Schlaglichter der deutschen Geschichte.
   Bibliographisches Institut, Mannheim 1986
 
Märkische Eiszeitstraße, M. Klebert, 2003