Schloss Gusow


Schloss Gusow - Hofansicht 2002
Foto: Katja Klebert

Das neogotische, wasserburgähnliche Schloss Gusow mit seinen Zinnen, Türmen, Giebeln und Erkern befindet sich, etwas versteckt, am Rande des Dorfes. Es wird umgeben von einem großen englischen Park mit vielen Exoten, der in die reizvolle Oderbruchlandschaft übergeht. Das heutige Aussehen von Schloss Gusow entspricht dem letzten Umbau 1870 im Stil englischer Landsitze nach Plänen des Landbaumeisters Ferdinand Neubart. Die zweigeschossige Dreiflügelanlage wurde an der Hof- und Gartenseite mit dreiachsigen Mittelrisaliten ausgestattet. Schlanke Rundtürme mit Kegelhauben an den Flügeln sowie der die Anlage begrenzende Wassergraben erinnern an mittelalterliche Schlösser.

Die strategisch günstige Lage bewirkte, dass alle Kriegsheere hier vorbeizogen und ihre Spuren hinterließen, so die des Dreißigjährigen Krieges, des Siebenjährigen Krieges und des Befreiungskrieges 1813; im 2. Weltkrieg wurden hier Gefechtsstände errichtet.Hier kreuzten sich aber auch die Wege berühmter historischer Persönlichkeiten - von brandenburgischen Kurfürsten, preußischen Königen, Napoleon und deutschen Kaisern. Auch Hitler, der hier am 15.März 1945 zur Besichtigung der Oder-Front mit Göring, Göbbels, Himmler und Generälen der Wehrmacht zusammentraf, nutzte das Objekt.Am 18.April 1945 beherbergte das Schloss die Befehlshaber der Sowjetarmee, General Bersarin und Marschall Schukow.

1648 wird der legendäre Georg von Derfflinger (1606 - 1695), damals noch General im Dienste Schwedens, Eigentümer des ziemlich verwahrlosten Gutes derer von Schapelow in Gusow. Er heiratete Margarethe Tugendreich von Schapelow, kaufte auf einer Versteigerung das Gutshaus und baute es mit seinen im Kriegsdienst erworbenen Geldern zum barocken Schloss aus. Seine besondere Liebe galt dem Park.
Georg von Derfflingers Karriere ist beeindruckend: ein aus dem Bauernstand kommender österreichischer Schneidergeselle widmet sein Leben dem Kriegswesen, steigt zunächst in schwedischen Diensten bis zum Regimentskommandeur auf, tritt 1655 in brandenburgische Dienste und wird 1670 Generalfeldmarschall. 1674 erhält er den Reichsfreiherrentitel. Er gehört noch heute zu den populärsten Generälen der brandenburgisch-preußischen Militärgeschichte. Über den "alten Derfflinger" wurden späterhin viele Legenden erzählt. Verbrieft ist, dass er am Sieg 1675 in der Schlacht von Hakenberg-Fehrbellin gegen die Schweden entscheidenden Anteil hatte. Er gilt als Schöpfer der Dragoner - einer Reitertruppe, die auch zu Fuß kämpfen konnte. Er reformierte das Befestigungswesen und die Artillerie und ist Begründer des 1. Stehenden Heeres. Seinen Lebensabend verbrachte er in Gusow, wo er auch begraben wurde.
1695 trat der Sohn, Friedrich von Derfflinger, das reiche Erbe an und baute das Schloss um. Als General war er weit weniger erfolgreich als der Vater, dafür stärker in der Wirtschaft: er ist Gründer des Freienwalder Alaunwerkes und bewährte sich als Oberdeichdirektor.Ab 1724 übernehmen die von der Marwitz die Güter und vererben sie 1745 an Sophie Amalie Albertine v. d. Marwitz, verheiratet mit Christoph Otto Graf von Podewils (1719 - 1781), dem späteren preußischen Kriegsminister. Seine diplomatischen Dienste als Legationssekretär in St. Petersburg, Legationsrat in Den Haag und 1746 als bevollmächtigter Minister und außerordentlicher Gesandter Friedrich II. am Wiener Hof ließen ihn zu einem kunsthistorischen Kenner und Sammler werden, was er auf Schloss Gusow dokumentierte.

Nach dessen Tod übernahm seine Witwe die Verwaltung des Schlosses. Sie ist es vermutlich, die von Theodor Fontane in seinem Buch "Vor dem Sturm", im Abschnitt "Schloß Guse" mit "Tante A m e l i e" benannt wird. Er schilderte sie liebevoll als eine etwas skuriele Gräfin, die auf ihrem Schlosse Sitten und Etikette des Hofes nachzuahmen versuchte.

1804 kam das Schloss durch weitere Vererbung an Maria Clementine von Schönburg-Waldenburg, deren Ehegatte, Graf Heinrich von Schönburg-Glauchau, seit 1790 Kriegsminister von Preußen war. Als außerordentlich konservative Gutsherrin war sie eine erbitterte Gegnerin der Reformen von Stein und Hardenberg. So gehörte sie 1811 zu den Unterzeichnern einer Eingabe der Stände von Lebus an den König gegen die Hardenbergsche Politik.
Ihre Nachfolgerin, Fürstin von Schönburg zu Glauchau, lebte fernab. Sie ließ sich über die Geschehnisse in Gusow während des Revolutionsgeschehens 1848 berichten. Am 25. März kam es hier zu einem der wenigen Aufstände ländlicher Bevölkerung, der durch den Einsatz eines Frankfurter Militärkommandos "befriedet" wurde.
Der 1875 eingesetzte Erbe, Richard Clemens von Schönburg-Glauchau, war Mitglied des preußischen Herrenhauses und durch seine enge Beziehung zum Hofe mehrfach Gastgeber Kaiser Wilhelms I. auf Schloss Gusow. Die Familie von Schönburg blieb auch in den Folgejahren Eigentümer des Schlosses bis zur Flucht des letzten Erben 1945.

Während der letzten blutigen Kämpfe auf den nahegelegenen Seelower Höhen gegen Ende des 2. Weltkrieges 1945 diente Schloss Gusow erst der Deutschen Wehrmacht und anschließend der Sowjetarmee als Lazarett.
In der Nachkriegszeit war es Getreide- und Düngerlager. Ab 1948 ging es in die Hände der Gemeinde über mit unterschiedlicher Nutzung wie Großküche, Schulhort, Jugendklub, Jugendlager für Arbeit und Erholung und Zentrales Schulungszentrum. Seit Anfang der 70er Jahre erfolgte eine schrittweise Sanierung.
Im August 1992 wurden Schloss und Park versteigert mit der Maßgabe, das der private Besitzer öffentlichen Zutritt und eine denkmalgerechte Restaurierung garantiert. Nach fortgeschrittener Rekonstruktion nutzt der neue Eigentümer das Schloss als Pension und als Museum zur Geschichte Brandenburg-Preußens mit der ersten Zinnfigurensammlung in Brandenburg und Berlin. Es erfreut sich besonders bei Tagestouristen großer Beliebtheit.

Quellen:
• Fontane, Theodor: Vor dem Sturm. Aufbau Taschenbuch Verlag, Berlin 1998
• Gusow. 2. veränderte Auflage, herausgegeben von Sibylle Badstübner-Gregor.
   Linie Drei. Berlin 2001 (Reihe "Schlösser und Gärten der Mark")
• Pusch, Peter: Die Schlacht von Hakenberg-Fehrbellin am 18. Juni 1675.Neuruppin 1994
• Engelhardt, Peter: Christoph Otto Graf v. Podewils auf Gusow.
   In: "Die Mark". Heft 38, 2000/III
 
Märkische Eiszeitstraße, M. Klebert, 2003