Schloss Gerswalde

Gerswalde liegt am nördlichen Rand des heutigen Biosphärenreservates Schorfheide-Chorin. Neben der Ruine einer mittelalterlichen Wasserburg befindet sich das neobarocke Schloss Gerswalde, ein breitgelagerter, zweigeschossiger Putzbau mit einem hervortretenden Mittelrisalit, der ihm sein repräsentatives Gepräge gibt.
Aus alten Urkunden ist nachvollziehbar, dass Gerswalde und seine Burg einwichtiger Standort für mehrere Markgrafen und zahlreiche uckermärkische Adelsfamilien war, so die von Beentz, von Blankenburg, von Boitzenburg, von Eickstädt, von Greiffenberg, von Kerkow oder von Steglitz. Fürst Heinrich von Mecklenburg eroberte 1320 Gerswalde und 1375 wurde Heinrich von Musheym, Spross eines süddeutschen Rittergeschlechtes, über 70 Jahre Burgherr.

Schloss Gerswalde, Foto: W. Ebert
Seit 1463 waren die von Arnim in Gerswalde ansässig. Henning von Arnim erhielt die Mitbelehnung der Burg und der "kleinen Stadt" mit Marktrechten. 1530 ließ Achim von Arnim auf dem Gelände der ehemaligen Vorburg das "Rote Haus" erbauen. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde Gerswalde fast völlig zerstört. Otto von Arnim (1682 - 1748) restaurierte 1724 das "Rote Haus". Um die Mitte des 19. Jahrhunderts errichtete die Gerswalder Linie der Arnims das neobarocke Schloss, das 1900/10 nochmals erneuert wurde. 1924 wurde die Schlossanlage von seinem Besitzer verspielt - danach waren die Arnims hochverschuldet und zahlungsunfähig. 
1929 gründete Franz Löffler (1895 - 1956) das Kinderheim "Schloss Gerswalde". Er gehörte zu den Vertretern der anthroposophisch orientierten Heilpädagogik, die seit 1924 durch Rudolf Steiner praktisch betrieben wurde. Ab 1933 konnte die Arbeit nur unter Schwierigkeiten fortgesetzt werden. Häufige Kontrollen und Eingriffe behinderten die Arbeit. Andere Einrichtungen dieser Art, wie die Waldorfschulen wurden durch die Nazis geschlossen. Der Erhalt des Heimes in Gerswalde war vermutlich deshalb möglich, weil hier in abgeschiedener Lage eine Heil- und Erziehungsanstalt für "seelenpflegebedürftige Kinder"reicher Eltern wirkte.

Ehem. Wasserburg Gerswalde, Foto: W. Ebert
Nach 1945 war das Schloss Kinderheim, dann Jugendwerkhof. Seinen Insassen ist es zu verdanken, dass die nebenan liegende Ruine der ehemaligen Wasserburg Anfang der 80iger Jahre in ihrer mittelalterlichen Bausubstanz gerettet werden konnte und heute das Heimatmuseum beherbergt.
Schloss und Marstall werden nach umfangreichen Restaurierungsarbeiten seit 1994 als Jugendheim genutzt. Träger ist die "Gemeinnützige Gesellschaft zur Betreuung Brandenburger Kinder und Jugendlicher mbH". Mit Hilfe einer Nebenstelle des Oberstufenzentrums Schwedt werden Jugendliche in der Berufsvorbereitung unterrichtet.

Quellen:
• Mittelalterliche Wasserburgruine Gerswalde.
   Faltblatt des Fördervereins Wasserburg e.V.
• Mombour, Christel: Erdwälle, Burgen, Schlösser und Parks.
   In: Brandenburger Blätter v. 15. April 1995
• Die Wasserburg Gerswalde. In: Urlaub im Herzen der Uckermark.
   Herausgegeben v. Tourismusverein Gerswalde. Ausgabe 2002
 
Märkische Eiszeitstraße, M. Klebert, 2003